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Lipkan Bazajewa, Quelle Foto: www.menschenrechtspreis.de

Dienstag, 13.9.2011

Frauen in Tschetschenien

Vortrag von Lipkan Basajewa (Grosny, Tschetschenien)
19.30 Uhr, Belladonna, Kultur-, Kommunikations- und Bildungszentrum für Frauen e.V., Sonnenstr.8, Bremen

Die Menschenrechtlerin und Pazifistin Lipkan Basajewa ist Tschetschenin wurde 1948 in Kasachstan geboren, wohin ihre Eltern unter Stalin verbannt worden waren. 1956 kehrte die Familie nach Tschetschenien zurück. Sie ist Mutter von vier Kindern und war bis 1994 in Grosny als Dozentin für russische Literatur und Linguistik tätig. Sie gründete das Frauenzentrums "Frauenwürde" in Grosny und ist Vorsitzende der Menschenrechtsorganisation "Memorial" sowie der "Vereinigung der Frauen des Nordkaukasus". Der AI-Bezirk Bremen-Weser-Ems hat in den letzten Jahren das Frauenzentrum in Grosny finanziell unterstützt.Rezida Kasieva ist eine Tochter von Libkan Basajewa. Sie hat Germanistik in Grosny studiert, lebte mehrere Jahre in Deutschland und arbeitet seit einiger Zeit im Frauenzentrum mit.


Der Krieg in Tschetschenien

Tschetschenien gehört der Russischen Föderation an und ist Teil der Nordkaukasus - Region. Von den ca. 1.3 Millionen Einwohnern sind über 94% Tschetschenen. Die Mehrheit gehört dem Islam an. Seit Ende 1994 haben zwei Unabhängigkeitskriege das Land verwüstet. Die Hauptstadt Grosny wurde dabei weithin zerstört und tausende von Menschen getötet oder Opfer von schweren Menschenrechtsverletzungen. Unzählige Menschen sind verschwunden. Menschenrechtsverteidiger /innen werden immer wieder zu Opfern von Anschlägen, wie z.B. die Journalistin und Menschenrechtsaktivistin Anna Politkowskaja (2006), der Rechtsanwalt Stanislaw Markelow, der sich für Opfer von Menschenrechtsverletzungen in Tschetschenien einsetzte, und die Memorial-Mitarbeiterin Natalja Estemirowa (2009). Seit 2007 ist Ramson Kadyrow Präsident des Landes, von Moskau gestützt 2009 hat Moskau den 2. Krieg offiziell für beendet erklärt.


Lipkan Basajewas Engagement gegen den Krieg und für die Menschenrechte

Im zweiten Tschetschenienkrieg waren tausende von Menschen, darunter auch Libkan Bazajewa, über einen "Humanitären Korridor" aus Grosny geflohen. Die kilometerlange Wagenkolonne wurde entgegen allen Absprachen von der russischen Luftwaffe angegriffen. Es gab ungezählte 25 Tote und 70 Verwundete. Ein russisches Gericht hatte den Beschuss für rechtens erklärt, dagegen hatte Libkan Basajewa vor dem Europäischen Gerichtshof geklagt.. Am 25. Februar 2005 erging das Urteil: Der russische Staat wurde wegen schwerwiegender Verletzung der Menschenrechte in Tschetschenien zu einer Geldstrafe in Höhe von 136.000 Euro verurteilt.

Bis 1994 war Lipkan Bazajewa als Dozentin für russische Literatur und Linguistik an der Universität Grosny tätig. Seit Beginn des ersten Tschetschenenkrieges engagiert sie sich gegen den Krieg in ihrem Land, dem auch zwei ihrer Brüder zum Opfer fielen. Sie dokumentierte zahlreiche Fälle von tschetschenischen Bürgerinnen und Bürgern, die durch Militärs ermordet, erniedrigt oder entführt wurden und berichtete darüber vor dem Europarat, der UN-Menschenrechtskommission in Genf.

In den ersten Jahren ihres Engagements organisierte Bazajewa Friedensmärsche, half russischen Müttern, ihre Söhne von der Front abzulösen, und gründete die "Union der Tschetschenischen Frauen Itschkerias" sowie eine "Landwirtschaftskooperative zur Selbstversorgung tschetschenischer Kriegswitwen und Kriegswaisen". Beide Einrichtungen fielen einem Bombenangriff zum Opfer. Im Juli 2002 richtete sie das Frauenzentrum "Zenskoje Dostoinstvo" (Frauenwürde) ein, das psychologische Betreuung, juristischen Rat, medizinische Versorgung und Qualifikationsmaßnahmen für Frauen und Jugendliche bietet. Im Herbst 2002 gründete sie eine Einrichtung "Elsa Kungajewa" für vergewaltigte Frauen im benachbarten Inguschetien.

2008 wurde Lipkan Basajewa auf der Jahresversammlung von AI als Menschenrechtsverteidigerin geehrt, sie kam am 28.5. 2011 zur „50 Jahre AI“- Feier nach Berlin.