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StartseiteGerd Ruge - 50 Jahre Amnesty International

Quelle: WDR

50 Jahre Amnesty International - eine Matinee am 16. Oktober 2011 im Überseemuseum

Wie hat es angefangen, was bleibt zu tun?

Die überaus gut besuchte Veranstaltung war geprägt von konzentrierter Aufmerksamkeit und lockerer persönlicher Begegnung. Im Mittelpunkt standen nicht die vielfältigen Strategien von Amnesty International, wie sich die Menschenrechte weltweit wirkungsvoller durchsetzen lassen, sondern persönliche Erfahrungen der Gesprächsteilnehmer.

Der bekannte ehemalige ARD-Korrespondent Gerd Ruge, inzwischen 83 Jahre alt, hat die Einladung angenommen und ist trotz Erkältung nach Bremen gekommen. Er hat 1961 in Köln mit anderen Journalisten die deutsche Sektion von Amnesty gegründet. Es war die Zeit des kalten Krieges. Die junge Bewegung wurde schnell in eine Ecke gesteckt, entweder West-Handlanger oder Ost-Agent. Dass die Menschenrechte weder rechts noch links sind, sondern sich um konkrete Menschen kümmern, das war die treibende Motivation und für viele Politiker neu und verwirrend. Aus chaotischen Anfängen ist dann eine schlagkräftige Menschenrechtsorganisation mit über 3 Millionen Mitgliedern und Förderern geworden, die weltweit agiert und gehört wird. Der Einsatz für konkrete Menschen – das ist bis heute geblieben.

Foto:Michael Gautier

Luise Scherf, seit 1968 Mitglied, zeigte, dass man in der Menschenrechtsarbeit Ausdauer und einen langen Atem braucht. Nach 6 Jahren war 1967 erst die 8. Gruppe in der damaligen Bundesrepublik, und zwar in Bremen, gegründet worden. Sie sagte: „Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Menschenrechtsarbeit bedeutet, stur zu bleiben“.

Pedro Beccera aus Chile, inzwischen Vorsitzender der jüdischen Gemeinde in Delmenhorst und Stadtverordneter, wurde nach dem Putsch von Pinochet als 16jähriger in Santiago verhaftet und gefoltert. Er berichtete in bewegenden Worten, wie wichtig der Einsatz von Menschen für andere Menschen ist. Konkret: wie Helmut Frenz, der damalige Bischof der kleinen Lutherischen Kirche in Chile und spätere erste Generalsekretär der deutschen Sektion von Amnesty, ihn aus dem Gefängnis geholt und dann nach Deutschland geschleust hat.

Foto:Michael Gautier Wiebke Judith als Sprecherin der AI-Uni-Gruppe schilderte engagiert, wie in der Universität für die Menschenrechte geworben und mit Erfolg gearbeitet wird. Otmar Willi Weber, Radio Bremen, hat souverän und locker die Gespräche moderiert. Und die iranische Musikgruppe Saba drückte mit klassisch-persischer Musik das aus, was Worte oft nur unvollkommen beschreiben können: Überall wollen wir Menschen leben ohne Angst mit: Liebe – Freiheit – Sehnsucht.

Es gab viel Applaus für die Musiker und die engagierten Gespräche. Weitermachen und Menschenrechtsverletzungen, wo auch immer sie begangen werden, keinen Raum geben – darum geht es weiterhin. Wir haben zum Schluss Auf die Freiheit angestoßen.

Erhard Mische