Amnesty International Bezirk Bremen-Weser-Ems

Impressum | Login

Bezirk Bremen-Weser-Ems

StartseiteENTWURZELT - VERPFLANZT -VERBLÜHT?! FLÜCHTLINGE IN BREMEN

Fartun Omar Jimale

Samstag, 7.7.2012

ENTWURZELT - VERPFLANZT -VERBLÜHT?! FLÜCHTLINGE IN BREMEN

AI-Stand im Garten der Menschenrechte
Rhododendronpark 15 Uhr

Ein umfangreiches Kulturprogramm, Informationsstände und Mitmach-Angebote verschiedener Gruppen für Kinder und Erwachsene sowie fair-gehandelter Kaffee und selbstgebackener Kuchen erwartet die BesucherInnen. Inhaltlich stehen in diesem Jahr die Themen Flucht/Asyl allgemein und die Situation in Bremen im Mittelpunkt. Die Somalierin Fartan Jimale Omar kam letztes Jahr im Rahmen des Resettlement-Programms nach Bremen und wird auch dabei sein.

Das Resettlement-Programm des Hohen Flüchtlingskommissars der Vereinten Nationen (UNHCR)

Resettlement heißt Neuansiedlung. Es geht um Flüchtlinge, die in ihre Heimatländer nicht zurückkehren können. Sie haben vorläufig in einem Drittstaat ohne Perspektive und ausreichende Versorgung Aufnahme gefunden. Für diese Flüchtlinge sucht der UNHCR ein Land, das ihnen dauerhaft Schutz und eine Zukunftsperspektive ermöglicht. Viele von ihnen sind besonders schutzbedürftig als traumatisierte Folteropfer, als kranke Flüchtlinge, als alleinerziehende Mütter oder Minderjährige.

Deutschland bewegt sich

Im November 2011 hat Deutschland 147 afrikanische Flüchtlinge auf-genommen. Sie waren mit Booten aus Libyen vor dem Bürgerkrieg nach Malta geflohen. Sie stammen aus Somalia, Eritrea, Äthiopien oder dem Sudan.
Eine von ihnen ist Fartun Omar Jimale (s.Foto), 22 Jahre, aus Somalia, die nach Bremen verteilt worden ist. Von einem unbändigen Lebenswillen geprägt hat sie eine unglaubliche Flucht und Leidenszeit überstanden, wie Amnesty, Bremen, im Gespräch mit ihr erfahren hat:
- Mit 15 Jahren rät ihr Vater dringend, Somalia zu verlassen, weil die radikal-islamische al-Shabab-Miliz sie zwangsrekrutieren will. Sie flieht über den Jemen nach Saudi-Arabien, wo sie als Hausangestellte illegal und rechtlos ist. Bei einer Polizei-Razzia aufgegriffen wird sie nach Somalia zurückgeschickt. Als Anfang 2008 eine „Zwangsheirat“ mit einem al-Shabab Milizionär droht, flieht sie erneut. 10 Monate ist sie unterwegs begleitet von Hunger und Durst, Gewalt und Bedrohung in Äthiopien, im Sudan bis nach Libyen. „Ich sagte mir, entweder du lebst oder du stirbst. In Somalia wirst du sterben. Ich wollte leben“. Und immer wieder bekommt sie auch Hilfe durch freundliche Menschen. In Libyen wird sie als Illegale aufgegriffen und für 6 Monate ins Gefängnis gesperrt und wiederholt geschlagen. Dann kommt sie als Dienstmädchen ohne Rechte und ohne Entlohnung in eine libyschen Familie: „Wir haben dich aufgenommen, Du musst uns dankbar sein, sonst gehst Du zurück ins Gefängnis“.
- Bei Ausbruch des Bürgerkriegs in Libyen flieht die libysche Familie. Fartun versteckt sich im Haus mit anderen Somalierinnen aus Angst, getötet zu werden. Endlich gelingt ihr eine Überfahrt nach Malta. Aber dort im Lager ist es wieder „fast wie im Gefängnis“ ohne Kontakte nach außen. Am Ende naht die Rettung, „als ich vom UNHCR ausgewählt wurde, nach Deutschland zu kommen“. Und ihr einziger Wunsch ist, „in Frieden menschenwürdig zu leben, egal wo, nur weg von Somalia.“
- Die somalische Familie von Ali Farah hat Fartun in Bremen vorläufig aufgenommen. Er selbst ist vor 30 Jahren als Flüchtling über Ost-Berlin nach West-Berlin gekommen und wurde von Amnesty International betreut. Seit 1989 lebt er in Bremen. Hier hat er eine Somalierin geheiratet. Sie haben 5 Kindern und ab 2000 die deutsche Staatsangehörigkeit. „Ich fühle mich in Bremen sehr integriert. Vor 30 Jahren kam ich als Flüchtling nach Deutschland und mir wurde geholfen. Nun helfen wir Fartun“.
- Sie begleiten Fartun zu den Sozialämtern und bemühen sich um ihren Sprachunterricht und um eine Ausbildung. Fartun möchte gerne Krankenschwester werden.

Am 9. Dezember 2011 haben die Innenminister der Länder und des Bundes einstimmig beschlossen, sich dem Resettlement-Programm des UNHCR anzuschließen und zunächst jährlich 300 Flüchtlinge aufzunehmen. Das ist ein erfreulicher Anfang, aber es ist angesichts der weltweit anwachsenden Flüchtlingsströme nicht ausreichend: Das UNHCR, schätzt die Zahl der Flüchtlinge, die dringend auf eine Neuansiedlung warten, weltweit auf etwa 780 000 in den nächsten fünf Jahren.

Amnesty International setzt sich dafür ein, dass

· Flüchtlinge im Rahmen des Resettlement-Programms in größerer Zahl von den Ländern der Europäischen Union aufgenommen werden

· Flüchtlinge einen sicheren Aufenthalt erhalten, die schon viele Jahre in Deutschland mit einer Duldung leben und aus humanitären oder politischen Gründen nicht in ihr Heimatland zurückkehren können.