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Angriff auf den Traum - Filmstill

26. bis 28.11.2012

Film: Angriff auf den Traum

von Uli Stelzner, BRD 2006, 82 Min., O.m.dt.UT
Kino: City 46, (Birkenstraße 1)
26. und 28.11. jeweils um 20.30 Uhr
27.11. um 18.00 Uhr

Mittelamerika war in den vergangenen Jahrzehnten Schauplatz grausamer Bürgerkriege, angefacht von der kriegerischen Außenpolitik der Reagan-Administration. Die Gewalt hinterließ gebrochene Menschen und zerstörte Ökonomien. Dann verwüstete der Hurrikan Mitch ganze Landstriche und nahm gerade den Ärmsten die Existenzgrundlage.

Denjenigen, die weder Land noch Arbeit haben, bleibt keine andere Wahl, als ihr Land in Richtung USA zu verlassen. Dafür sind sie bereit, alles aufzugeben und ihr Leben aufs Spiel zu setzen. Doch die meisten kommen nicht weit. Mit dem Grenzübertritt im Norden Guatemalas nach Mexiko begeben sie sich rechtlos auf eine der gefährlichsten Migrationsrouten der Welt. Dabei erweist sich Mexiko als das größte Hindernis auf dem langen und beschwerlichen Weg in den Norden. Uli Stelzner hat für Der Angriff auf den Traum, ausgerüstet mit einer kleinen Digitalkamera, die Flüchtenden begleitet. Er zeigt schonungslos, wie sich in der Grenzregion im äußersten Süden Mexikos die Suche nach dem „Amerikanischen Traum“ in einen nicht enden wollenden Alptraum verwandelt.

Ein Film von Uli Stelzner über die neue Südgrenze der USA
Nur mit einer kleinen Digitalkamera und einem Rucksack machte sich der Regisseur Uli Stelzner auf, den Anfangspunkt einer der gefährlichsten Migrationsrouten der Welt kennen zu lernen: Die Grenze zwischen Guatemala und Mexiko. Herausgekommen sind viele spontane, persönliche Begegnungen mit MigrantInnen. Vor laufender Kamera erzählen sie, was sie zu dieser Reise bewogen hat und was sie sich erhoffen.
Einmal muss ich ja bei meinem Traum ankommen.“ „Es gibt keinen Weg zurück, wir müssen weiter. Immer Richtung Norden“. Stelzners Film zeigt erschütternde Berichte von jungen Frauen und Männern auf der gefährlichen Reise Richtung USA mit der „Bestie“, wie sie den Güterzug nennen, auf den sie aufspringen, um Mexiko zu durchqueren. Fast 5.000 Kilometer sind es bis an die Nordgrenze. Die ganze Strecke verbringen sie festgekrallt an den Zugwagons. Nur wenigen gelingt die gefährliche Tour. Viele haben es schon mehrfach bis an die US-amerikanische Grenze oder sogar bin in die USA geschafft, wurden abgeschoben – und versuchen es erneut. Der Film zeigt Gesichter, aus denen Verzweiflung, Wut, Trauer und Hoffnung spricht, aber auch große Angst, Angst vor dem Weg, der noch vor ihnen liegt. Eine Migrantin steigt total übermüdet auf den Zug. Seit vier Tagen hat die alleinerziehende Mutter nicht geschlafen. Mit letzter Kraft hält sie sich am Wagon fest, ihre geschwollenen Füße schmerzen, während des Interviews fallen ihr fast die Augen zu. Immer wieder beziehen sich die Porträtierten, die MigrantInnen aus Nicaragua, Honduras, El Salvador und Guatemala auf ihren „Amerikanischen Traum“. Der Rap „Sueño americano“ der kubanischen Gruppe Anónimo Consejo ist dann auch die einzige musikalische Untermalung in dem Film. Ein Migrant erklärt: „Nur etwa 5 Prozent schaffen es bis nach Mexiko-Stadt. Von den 800, die es täglich versuchen, erreichen nur vier bis fünf die USA.“ Francisco aus Nicaragua erklärt Hintergründe: „Migration wird nicht durch Abschiebeprogramme, wie sie die USA hier vollziehen, beendet, im Gegenteil. Der Reichtum ist schlecht verteilt, das ist das Problem unseres Planeten. Mit den Freihandelsverträgen und der weltweiten Globalisierung wird der Stärkere dem Schwachen immer überlegen sein, die Länder mit wenig Entwicklung werden in mehr Armut versinken,“ sagt er und macht sich auf den Weg nach Norden. Stelzner filmt die Reisenden an den Schienen des Bahnhofs Tapachula – wartend. Plötzlich wird er Zeuge einer Razzia verschiedener Polizei- und Militäreinheiten und erlebt hautnah den „Plan Süd“, mit dem die USA Mexiko die Militarisierung und Kontrolle seiner Südgrenze finanzieren, damit die MigrantInnen gar nicht erst an die Nordgrenze gelangen. 200 MigrantInnen werden an diesem Tag festgenommen. Dem Regisseur gelingt es außerdem, in der Migrationsbehörde und im Abschiebegefängnis Aufnahmen zu machen und dort mit den MigrantInnen zu sprechen. Drei Tage verbringt Stelzner in einer Herberge, in der Invaliden leben, Opfer der Bestie. Sie sind vor Müdigkeit vom Zug gefallen oder von Bandenmitgliedern, den „Maras“, hinuntergeworfen worden. So wie Esteban, der beide Beine beim Sturz auf die Gleise verloren hat, als er die Vergewaltigung seiner Reisegefährtin verhindern wollte. Seitdem lebt er in der Herberge. Für ihn ist der „Amerikanische Traum“ ausgeträumt. Und Noé aus El Salvador zeigt in seiner Person das ganze Drama der Situation an der Grenze. Mehrfach trifft ihn Uli Stelzner an, bis es zu einem tragischen Ende kommt.