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Folterschiff Esmeralda

Donnerstag, 13.08.2015

AKTIONEN ZUM FOLTERSCHIFF "ESMERALDA" IN BREMERHAVEN

17 Uhr eine Lesung von Walter Mülich in der Stadtbibliothek aus seinem Buch „Kreuzende Kurse“
Danach: Mahnwache an der Esmeralda

Das Schulschiff 'Esmeralda' diente nach dem Putsch in Chile 1973 als Folterzentrum und ist jetzt im Rahmen der "Sail" vom 12.-17.8.2015 in Bremerhaven. Die Aufarbeitung der Verbrechen geschah bisher nur ungenügend, nicht alle Täter wurden vor Gericht gestellt, Opfer nicht entschädigt, die chilenische Marine schweigt. Wir wollen am Do. 13.8. um 16 Uhr nach Bremerhaven fahren, weil es um 17 Uhr eine Lesung von Walter Mülich in der Stadtbibliothek gibt.

Er hat ein Buch „Kreuzende Kurse“ verfasst, bei dem es um Parallelen zwischen ehemaligen Folterschiffen der Nationalsozialisten in Bremerhaven und solchen Schiffen in Chile geht, „deutsche und chilenische Schiffe als Instrumente der Unterdrückung“. Danach wollen wir zum Schiff gehen, Flugblätter verteilen und mit den chilenischen Kadetten ins Gespräch kommen.

Die ESMERALDA diente in der Diktaturzeit in Chile als Folterzentrum

Die Esmeralda ist ein schönes Schulschiff, aber das war nicht immer so, und diese furchtbare Vergangenheit des Schiffes als ein Folterzentrum der chilenischen Marine muss aufgearbeitet und anerkannt werden.

Am 11. September 1973, wurde die rechtmäßig gewählte Regierung unter dem Sozialisten Salvador Allende von einer Militärjunta in einem blutigen Putsch gestürzt. Es folgten 17 Jahre Diktatur. Politisch missliebige Personen wurden verhaftet, gefoltert, vertrieben, ermordet oder man ließ sie verschwinden. Nach offiziellen Angaben sind in der Zeit von September 1973 bis März 1990 3200 Männer und Frauen von staatlichen Akteuren ermordet worden, ca. 2500 Personen sind von Polizei, Militär und Geheimdiensten entführt und in geheime Folterzentren gebracht worden. Sie sind nie wieder aufgetaucht. Nach Berichten der interamerikanischen Menschenrechtskommission, Amnesty International und der chilenischen Wahrheitsfindungs-kommission wurde das Segelschulschiff ESMERALDA in der Zeit nach dem 11. September 1973 von der chilenischen Marine als geheimes Gefangenenlager und schwimmendes Folterzentrum im Hafen von Valparaíso genutzt. In ähnlicher Weise wurden die Frachtschiffe MAIPO und LEBU eingesetzt. Der chilenische Anwalt Luis Vega Contreras wurde am 11.September 1973 verhaftet und zusammen mit weiteren politischen Gefangenen von Marinesoldaten auf das Schiff ESMERALDA verschleppt, dort gefoltert, aber nach 1 Woche wieder freigelassen. Er verstarb 2001 im israelischen Exil. Seine 1980 gegenüber AI gemachte Aussage und die des Universitätsprofessors und ehemaligen Bürgermeisters von Valparaíso Sergio Vuskovic, der heute wieder in Chile lebt, belegen, dass die ESMERALDA als schwimmendes Folterzentrum benutzt wurde. Die meisten der vermutlich 72 Männer und 40 Frauen, die im September/Oktober 1973 auf dem Segelschulschiff gefoltert wurden, haben nicht überlebt. So der britisch-chilenische Priester Michael Roy Woodward Iriberri, Mitglied der linksgerichteten Bewegung MAPU, der im Alter von 42 Jahren am 16. September 1973 in seiner Wohnung in Valparaíso verhaftet wurde. Aus Angaben der chilenischen Wahrheitsfindungskommission, dem sogenannten "Informe Rettig", geht eindeutig hervor, dass Woodward von der an der Mole liegenden ESMERALDA aus am 22. September 1973 wegen Herzstillstands in das Marinehospital in Valparaíso eingeliefert, wo er am selben Tag starb. Laut Bericht war er in einer "schrecklichen Verfassung", die nur durch Folter herbeigeführt worden sein kann. Die chilenische Marine kam der Forderung der katholischen Kirche Chiles nach Herausgabe seines Leichnams nicht nach und verscharrte ihn in einem Massengrab, auf dem später eine Straße gebaut wurde.

Die heute in Spanien lebende Schwester des Ermordeten, Patricia Woodward erklärt, dass es noch ein offenes Verfahren gäbe, obwohl 3 Marineangehörige zu geringen Strafen verurteilt wurden: der Chilenische Oberste Gerichtshof hat eine Untersuchung angeordnet, um die Verantwortlichkeit von 3 höheren, pensionierten Offizieren für den Foltertod ihres Bruders und sein Verschwinden festzustellen. Die chilenische Marine hat sich aber bislang geweigert, als Institution die Verantwortung für die Folterungen und Todesfälle auf der Esmeralda zu übernehmen. Daher appellierte sie erneut am 2. April dieses Jahres an den Oberkommandierenden der chilenischen Marine, Admiral Vergara Villalobos, die auf dem Schiff ESMERALDA begangenen Verbrechen anzuerkennen und die Wahrheit zu sagen.

Hat Chile die Vergangenheit aufgearbeitet?

Der Bericht der „Nationalen Kommission für politische Haft und Folter“ vom August 2003 hatte bereits zahlreiche Verbrechen der Militärdiktatur aufgedeckt, auch Folterungen auf der „Esmeralda“, aber das Amnestiegesetz von 1978 verhinderte bisher eine vollständige auch juristische Aufarbeitung und schützt die Folterer.

Als Michelle Bachelet Jeria im März 2014 Staats- und Regierungschefin wurde, versprach sie, das Amnestiegesetz von 1978 aufzuheben, doch das ist bis heute nicht geschehen. Im März 2014 waren laut Angaben des Präsidenten des Obersten Gerichtshofs 1022 Fälle aus der Zeit der Diktatur vor Gericht anhängig, davon würden 72 Foltervorwürfe betreffen.

Laut offiziellen Angaben der Menschenrechtsabteilung des Innenministeriums waren bis Oktober 279 Personen wegen Verbrechen während des Pinochet-Regimes verurteilt worden; gegen die Urteile konnten keine Rechtsmittel mehr eingelegt werden. Ende 2014 verbüßten 75 Personen Haftstrafen wegen dieser Verbrechen.

Amnesty begrüßt diese Entwicklung und fordert Parlamentarier und Gerichte auf, in ihren Bemühungen nicht nachzulassen, das Amnestiegesetz von 1978 zu kippen und alle noch nicht belangten Täter vor Gericht zu stellen.

Daher gelten weiterhin die Forderungen Amnesty Internationals:

die volle Wahrheit über die Menschenrechtsverletzungen an Bord der „Esmeralda“ offen zu legen. dafür Sorge zu tragen, dass die Verantwortlichen für die Gräueltaten zur Rechenschaft gezogen werden. die vollständige Entschädigung der Opfer zu unterstützen