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Yecenia Armenta

SAMSTAG, 12.3.2016

AI-STAND ZUM INTERNATIONALEN FRAUENTAG

11 - 14 Uhr zwischen Marktplatz und Dom

Frauen werden weltweit vielfältig diskriminiert und sind häufig Opfer männlicher Gewalt. Wir haben 2 Fälle herausgegriffen, für die wir uns mit Briefen und Petitionen einsetzen. EL SALVADOR: Gefängnis wegen Fehlgeburt. 17 Frauen sitzen in El Salvador im Gefängnis, weil man ihnen vorwarf, ihre Fehlgeburten seien Abtreibungen gewesen, und Abtreibung ist dort verboten. MEXIKO: Von Polizisten vergewaltigt. Yecenia Armenta wurde auf der Polizeiwache gefoltert und vergewaltigt,

Weltfrauentag: Fehlgeburten sind kein Verbrechen

06. März 2015 - Anlässlich des Weltfrauentages am 8. März ruft Amnesty International dazu auf, Frauen und Mädchen zu helfen, denen das Selbstbestimmungsrecht über den eigenen Körper verweigert wird.

In El Salvador werden Frauen bestraft, die eine Fehlgeburt erlitten haben: Oft verdächtigt man sie, eine geheime Abtreibung durchgeführt zu haben. Ihnen drohen dann Haftstrafen von bis zu 50 Jahren - wegen "Mordes".

Generell gilt in El Salvador ein absolutes Abtreibungsverbot. Frauen und Mädchen kommen für eine Abtreibung ins Gefängnis. Manche verbringen Jahrzehnte hinter Gittern. Denn in dem mittelamerikanischen Land spielt es keine Rolle, ob die Schwangerschaft ein schwerwiegendes Risiko für das Leben oder die Gesundheit der Mutter darstellt oder Folge einer Vergewaltigung ist: Schwangerschaftsabbrüche sind grundsätzlich und immer verboten.

Diese grausamen und zynischen Gesetze sind Ausdruck der weitreichenden gesellschaftlichen Diskriminierung von Frauen und Mädchen in El Salvador: Ihnen wird das Recht genommen, über ihren eigenen Körper zu entscheiden. Mit katastrophalen Folgen: Die Selbstmordrate unter jungen schwangeren Frauen ist äußerst hoch.

Amnesty International setzt sich daher im Rahmen der weltweiten Kampagne "My Body, My Rights" für die sexuellen und reproduktiven Rechte von Frauen und Mädchen in El Salvador ein und fordert die Aufhebung des absoluten Abtreibungsverbots.

HINTERGRUNDINFORMATIONEN

Amnesty International hat in dem Bericht Auf Leben und Tod. Gewalt gegen Frauen und die Kriminalisierung von Schwangerschaftsabbrüchen in El Salvador die Situation von Frauen und Mädchen in El Salvador dokumentiert, die sich diskriminierenden Gesetzen und Praktiken ausgesetzt sehen. Diese reichen von der unzulänglichen Umsetzung wichtiger Gesetze zur Verhinderung von Gewalt gegen Frauen bis hin zu einem absoluten Abtreibungsverbot, welches Schwangerschaftsabbrüche unter Strafe stellt und dazu führt, dass besonders Frauen aus armen und sozial schwachen Schichten in ihrem Recht auf körperliche und geistige Unversehrtheit verletzt werden.

Amnesty International fordert die Behörden auf, alle Frauen und Mädchen, die wegen Schwangerschaftsabbrüchen oder Fehlgeburten inhaftiert wurden, sofort und bedingungslos freizulassen, auch die 17 Frauen, deren Gnadengesuche nun geprüft werden. Bei den Frauen traten in der Schwangerschaft jeweils außerhalb des Krankenhauses Komplikationen auf und sie erlitten eine Fehlgeburt. Sie erhielten keine angemessene medizinische Versorgung, sondern wurden des Mordes angeklagt und in einem unfairen und diskriminierenden Verfahren zu langen Freiheitsstrafen verurteilt.

Mexiko: Gerechtigkeit für Yecenia Armenta!

Der Albtraum Folter ist Realität für unzählige Menschen weltweit. Amnesty hat in den letzten fünf Jahren festgestellt, dass in 141 Ländern gefoltert und misshandelt wurde. Trotz absolutem Verbot foltern Regierungen im Verborgenen oder liefern Menschen in Länder aus, wo ihnen Folter droht. Auch das Schicksal von Yecenia Armenta ist beispielhaft für das tägliche Unrecht. Verhilf ihr zu ihrem Recht und unterstütze Amnesty hier im Kampf gegen die Folter.

Gerechtigkeit für Yecenia Armenta!

Im Juli 2012 wurde Yecenia Armenta im nordmexikanischen Culiacán von Zivilpolizisten angehalten, als sie Verwandte zum Flughafen fuhr. Man brachte sie auf eine Polizeiwache, wo sie 15 Stunden lang gefoltert und vergewaltigt wurde und man ihr damit drohte, ihre Kinder umzubringen. Sie wurde genötigt, einen Mord zu gestehen, den sie eigenen Angaben zufolge nie begangen hat. Man zwang sie, ein "Geständnis“ zu unterschreiben, das sie nicht einmal lesen konnte, weil sie es mit verbundenen Augen unterschreiben musste. Yecenia Armenta ist nach wie vor in Haft, und bis heute wurde niemand für die Folter zur Rechenschaft gezogen.

Nach der Folter wurde sie von medizinischem Personal untersucht, das zu derselben Abteilung gehörte wie ihre Peiniger. Ihre Verletzungen wurden nicht dokumentiert. Monate später nahm gerichtsmedizinisches Personal der Generalstaatsanwaltschaft eine weitere Untersuchung vor. Es kam zu dem Schluss, dass Yecenia Armenta nicht gefoltert worden sei, da bei der Erstuntersuchung keine Zeichen von Folter festgestellt worden seien.

Unabhängige medizinische Fachleute, die Yecenia Armenta zweimal nach internationalen Standards untersuchten, bestätigten hingegen, dass sie gefoltert worden war. Trotz fehlender Beweise sitzt sie inzwischen seit drei Jahren im Gefängnis. Die Anklage stützt sich lediglich auf das unter Folter erpresste "Geständnis". Bis heute wurde niemand für die Folter zur Rechenschaft gezogen.

In Mexiko sind willkürliche Inhaftierungen und Misshandlungen durch Polizei und Militär an der Tagesordnung. Die Vergewaltigung von Yecenia Armenta ist dabei kein Einzelfall: Auch andere mexikanische Frauen wurden in den letzten Jahren Opfer von sexualisierter Folter. Die verantwortlichen Beamten werden für diese Delikte in den seltensten Fällen verurteilt.

Der Fall von Yecenia Armenta macht deutlich, dass die mexikanische Regierung zahlreiche international vorgeschriebene Schutzmaßnahmen gegen Folter und Misshandlung, wie eine sofortige und effektive Dokumentation und Untersuchung von Foltervorwürfen, nicht umsetzt.

Amnesty International fordert deshalb den Generalstaatsanwalt des mexikanischen Bundesstaats Sinaloa auf, Yecenia Armenta umgehend freizulassen und die gegen sie erhobene Anklage fallenzulassen. Außerdem muss sichergestellt werden, dass die Foltervorwürfe umgehend, unabhängig und gemäß internationaler Standards untersucht werden. Es müssen diejenigen vor Gericht gestellt werden, die für Folter in Mexiko verantwortlich sind. Unterstützen Sie jetzt unsere Forderungen!

HIER können Sie sich für Yecenia einsetzen: https://www.stopfolter.de/