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Brasilianische Polizisten auf Patrouille in der Favela Chuveirinho in Rio de Janeiro: © AFP/Getty Images

Samstag, 13.08.2016

MAHNWACHE ZU BRASILIEN: EXZESSIVE POLIZEIGEWALT

12 - 13 Uhr vor dem Dom
Die Polizei in Rio hat zwischen April und Juni dieses Jahres 124 Personen getötet. Kurz vor den Olympischen Spielen nahm die Zahl der Tötungen damit im Vorjahresvergleich um 103 Prozent zu. Dies zeigen neueste Zahlen des Instituts für öffentliche Sicherheit des Bundesstaates Rio de Janeiro. Demnach wurden in der Metropole im Juni 49, im Mai 40 und im April 35 Personen von der Polizei getötet - mehr als ein Mensch pro Tag.

Seit Rio im Jahr 2009 den Zuschlag für die Austragung der Olympischen Spiele erhalten hat, wurden in der Stadt ca. 2.600 Menschen von der Polizei getötet.

"Brasilien hat die Olympischen Spiele schon verloren, bevor sie begonnen haben. Die drastische Zunahme von Tötungen durch die Polizei stellt ernsthaft in Frage, ob die Spiele überhaupt positive Entwicklungen für die Stadt bringen werden", sagt Atila Roque, Direktor von Amnesty International in Brasilien. "Es scheint, dass die Behörden sich nur darum kümmern, wie hübsch der Olympische Park aussieht. Die Zeit für leere Wort und Versprechen ist vorbei: Die Behörden müssen sofort Maßnahmen ergreifen, um weitere Menschenrechtsverletzungen zu stoppen und die Verantwortlichen der Gewalt zur Rechenschaft zu ziehen."

Laut Roque gibt es weiterhin keine klaren Regeln zur Anwendung von Gewalt bei Polizeieinsätzen. "Mit seiner misslungenen Sicherheitspolitik wiederholt Brasilien die Fehler der Fußballweltmeisterschaft von 2014", so Roque. Damals hatten Tötungen durch die Polizei im Bundesstaat Rio de Janeiro im Vergleich zum Vorjahr um 40 Prozent zugenommen.

Um zu dokumentieren, wo es in Rio im Vorfeld der Olympischen Spiele zum Einsatz von Schusswaffen kommt, hat Amnesty die App "Kreuzfeuer" (Fogo Cruzado) entwickelt. Sie ermöglicht es, Waffengewalt zu melden. Die App wurde bereits 35.000 Mal heruntergeladen.

Am 2. August hat Amnesty die erste monatliche Auswertung der App veröffentlicht: Allein im Juli meldeten die Nutzerinnen und Nutzer per App 756 Schießereien mit 51 Todesopfer. Die Meldungen werden in einer interaktiven Karte visualisiert (www.fogocruzado.org.br).

Aus den Favelas Complexo do Alemão und Caxias (Baixada Fluminense) wird über die App fast täglich von Schießereien zwischen der Polizei und kriminellen Banden berichtet. Auch aus dem Viertel Complexo da Maré liegen zahlreiche Berichte von Gewalt vor. Diese Gebiete liegen zwischen dem Flughafen und den Austragungsstätten der Olympischen Spiele.

Die App kann im App Store und bei Google Play heruntergeladen werden.

Werden Sie aktiv! Unterzeichnen Sie unsere Online-Petition und setzen Sie sich gegen Polizeigewalt in Rio de Janeiro ein! Hier können Sie die Petition der Schweizer Amnesty-Sektion unterschreiben - jetzt mitmachen: https://rio2016.amnesty.ch/de/#petition,