Aktionsberichte
Talkrunde zum internationalen Frauentag 2010
Mehr als 50 Prozent der Weltbevölkerung leben heute schon in Städten. Insbesondere in den Ländern des Südens ziehen viele Menschen auf der Suche nach Arbeit vom Land in die Stadt, wo sie häufig Unterkunft in Armenvierteln finden. Weltweit lebt rund 1 Mrd. Menschen in Slums, Tendenz steigend. Gleichzeitig nehmen Vertreibungen und Zwangsräumungen von Slums zu. Hintergrund sind meist wirtschaftliche Interessen, wie die Nutzung der Flächen für Stadtentwicklungsprojekte, Industrieansiedelungen oder Wohnsiedlungen für die Mittel- und Oberschicht. Dabei handelt es sich oft um illegale Vertreibungen, ohne längere Ankündigungen oder Bereitstellung von Ersatzwohnraum. Die Vertriebenen stehen vor dem Nichts. Amnesty International hat aus diesem Grund die Kampagne „Wohnen. In Würde“ gestartet, um die massiven Menschenrechtsverletzungen an Slumbewohner/innen stärker ins Bewusstsein der Öffentlichkeit zu rücken. Amnesty International fordert: Keine Zwangräumungen, Beteiligung der Slumbewohner bei der Planungen ihrer Wohngebiete und gleiche Rechte für Slumbewohner. Auch andere Organisationen nehmen sich des Themas an.
Schattenseiten der Globalisierung: Vertreibung und Zwangräumungen in Slums am Beispiel Nairobi/Kenia, am 24. Februar 2010 im Kapitel 8, Domsheide 8, mit Franziska Ulm, Berlin (Amnesty International), Marylin Ossome, Nairobi/Kenia und Dr. Elke Grawert, Uni-Bremen. Die Moderation übernahmen Gertraud Gauer-Süß (biz) und Heidrun Siebeneicker, Ev. BIW.
Diese Talkrunde wurde von Amnesty International, Bremen, Bremer Informationszentrum für Menschenrechte und Entwicklung (biz), Evangelisches Bildungswerk (Ev. BIW) veranstaltet.
Kolumbien: Kriegsdienstverweigerung und Gewaltfreiheit

Am 10. Februar 2010 war die 26-jährige Alejandra Londono Bustamante vom Jugendnetzwerk Red Juvenil aus Medellín in Kolumbien zu Gast in Bremen in der Villa Ichon. Sie berichtete über ihr vom Bürgerkrieg zerrissenes Land, dem Tausende jedes Jahr zum Opfer fallen. Die Zivilbevölkerung - insbesondere auf dem Land - leidet am meisten: Mehr als vier Millionen Menschen wurden in den letzten beiden Jahrzehnten zu Flüchtlingen im eigenen Land. Entwurzelt leben sie meist in den Slums der Großstädte.
In Kolumbien gibt es aber auch viele Gruppen und Organisationen, die sich für Frieden und Gerechtigkeit einsetzen. Gerade unter Jugendlichen gibt es Bewegungen, die mit Seminaren, Musik- und Veranstaltungsangeboten, Kriegsdienstverweigerung und direkten Aktionen eine Kultur der Gewaltfreiheit als Alternative leben. Eine dieser Gruppen ist Red Juvenil Medellín.
Neben AI wurde die Veranstaltung getragen von: Diakonischen Werk/Brot für die Welt, Deutsche Friedensgesellschaft-Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen (DFG-VK) und Bremer Friedensforum.
Podiumsdiskussion im Focke-Musem zur Utopie der Humanität

Circa 100 Zuhörer gab es am 26. Januar 2010 bei der Podiumsdiskussion mit AI-Generalsekretärin Monika Lüke im Focke-Musem im Rahmen der Ausstellung „Manieren" zum Thema „Die Utopie der Humanität – Menschenwürde zwischen Anspruch und Wirklichkeit" , die vom Nordwest-Radio moderiert und auch übertragen wurde. Über anderthalb Stunden ging es nicht nur aber auch um den Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr, die Universalität der Menschenrechte, Folterandrohung (Fall Daschner) und die individuelle Würde des Menschen.
Iranischer Menschenrechtler in Bremen

Am 20. November 2009 war der iranische Menschenrechtsaktivist Akbar Ganji in Bremen, der von 2004 bis 2006 wegen seiner Kritik am Regime im Gefängnis saß und von AI damals adoptiert wurde. Er referierte über die "Grüne Revolution" und die in ihr zusammenarbeitenden Gruppierungen und Strömungen.
Der Versammlungsraum in der 'Arche' in der Schwachhauser Heerstraße war bis zum letzten Platz besetzt, allerdings vorwiegend mit Exiliranern, die völlig unterschiedliche Einschätzungen über das Regime und auch über Herrn Ganji hatten. Trotzdem wurden viele Unterschriften zugunsten dreier inhaftierter Journalisten gesammelt. Erhard Mische von AI leitete die Diskussion souverän, was nicht immer ganz einfach war.
"Ich war in Guantánamo"

Die Ankündigung für eine Veranstaltung mit dem Bremer Murat Kurnaz hatte über 300 Studenten in den Hörsaal 3009 der Uni Bremen gelockt. Kurnaz berichtete von seinen schrecklichen Erfahrungen als Gefangener in Kandahar und Guantánamo. Auch sein Anwalt, Bernhard Docke, war anwesend, skizzierte die Schwierigkeiten des Falles. Noch einmal listete Docke die Versäumnisse der deutschen Regierung auf, die sich 2002, als die Amerikaner Kurnaz freilassen wollten, weigerte, ihn aufzunehmen. So musste er vier Jahre länger in einem Folterlager verbringen, in dem die Gefangenen ohne irgendeinen Beweis von Schuld, d. h. ohne fairen Prozess oder richterliches Urteil bis heute gehalten werden.
Murat Kurnaz hat die Folterungen und Strapazen überstanden und versucht, ein normales Leben zu leben. Er verspürt auch keinen Hass auf "die Amerikaner", denn viele haben sich für ihn eingesetzt. Er ist jedoch weiterhin empört über das Verhalten von Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier, der seine frühzeitige Rückkehr verhinderte. Bis heute hat Murat Kurnaz keine Entschuldigung erhalten, von einer finanziellen Entschädigung seitens der Bundesregierung oder der US-Regierung ganz zu schweigen.
Amnesty International auf dem Deutschen Evangelischen Kirchentag
Vom 20. bis 24. Mai 2009 nahm Amnesty International Bremen unter dem Motto „Mut schützt Leben – Menschenrechtsverteidiger/innen schweigen nicht“ am Deutschen Evangelischen Kirchentag teil. Unter anderem waren wir beim Markt der Möglichkeiten mit einem Stand vertreten. Wir verkauften Schmalzbrote und luden die Besucher ein, sich ein Menschenrecht zu ziehen und mitzunehmen: zum Beispiel „Schule ist cool“ (Art. 26, Recht auf Bildung).
Unter dem Titel „Globalisierung und Migration“ organisierten wir zudem eine Podiumsdiskussion mit Nicolas Beger, Leiter des AI-Büros in Brüssel, und Innenminister Dr. Wolfgang Schäuble sowie Vorträge von Menschenrechtsaktivisten aus dem Iran, Tschad und Kamerun.


„Wir lassen uns nicht einschüchtern“: Die Menschenrechtsaktivisten Madeleine Afitté aus Kamerun und Patrice Bendounga aus Tschad berichteten über ihre Friedensarbeit im Schuppen 1 in der Überseestadt.
Aktion gegen die Todesstrafe auf dem Bremer Marktplatz
Städte für das Leben – Städte gegen die Todesstrafe

Am 18. November 2009 sagte Bremen "Nein zur Todesstrafe". Die Bremer Senatskanzlei hatte um 18 Uhr auf dem Markplatz zu einer Aktion
eingeladen - in Zusammenarbeit mit Amnesty International, Bremen.
Seit 2001 existiert das Städtebündnis "Städte für das Leben - Städte gegen die Todesstrafe", dem weltweit über 700 Städte angehören, darunter über 80 in Deutschland. Auch Bremen hat sich diesem Bündnis angeschlossen. Jedes Jahr am 30. November wollen die Kommunen ein öffentliches Zeichen gegen die Todesstrafe setzen. Da am 30. November auf dem Marktplatz in Bremen schon der Weihnachtsmarkt stattfindet, ist die Aktion auf den 18. November vorverlegt worden.
Es sprachen Bürgermeister Böhrnsen für den Bremer Senat und Erhard Mische für Amnesty International der Bremer Gruppen. Mitglieder der Bremer Schülergruppen (Hermann-Böse- und Kippenberg-Gymnasium) hatten sich als Todeskandidaten verkleidet und zeigten auf Postern die Länder an, aus denen sie kamen. Alle waren in schwarze Umhänge gekleidet und mit schwarzen Kapuzen verhüllt, nur der letzte, aus Togo, war in Weiß gekleidet, denn Togo hat 2009 die Todesstrafe abgeschafft. Deswegen wurde die Aktion auch mit Musik aus Togo begleitet, von der Trommelgruppe Zolim. Wegen des starken Regens und des Windes konnten leider nicht alle mitgebrachten Kerzen angezündet werden, aber auch so war die Aktion eib Erfolg.
Eine halbe Stunde vorher war im Beisein einiger AI-Mitglieder in der
Bürgerschaft auch ein Antrag gegen die Todesstrafe und auch gegen die
Hinrichtung von Mumia Abu-Jamal zur Abstimmung gestellt worden, dem alle Fraktionen zustimmten.
Amnesty International führt bundesweit in der Zukunft verstärkt eine Kampagne gegen die Todesstrafe durch. Sie steht unter dem Motto "Für eine Welt ohne Todesstrafe". Inzwischen haben 139 Staaten weltweit die Todesstrafe gesetzlich oder praktisch abgeschafft, nur 58 führen sie noch aus. 97 Prozent aller Hinrichtungen geschehen in fünf Ländern: China, Saudi-Arabien, Pakistan, Iran, USA. In Europa gibt es sie nur noch in Belarus (Weissrussland).
Im Dezember 2007 hat die Vollversammlung der Vereinten Nationen mit großer Unterstützung der Weltreligionen eine Resolution verabschiedet, die einen sofortigen globalen Hinrichtungsstopp fordert.