Bremer Kampagne zu Guantánamo
"Ich war in Guantánamo"

Die Ankündigung für eine Veranstaltung mit dem Bremer Murat Kurnaz hatte über 300 Studenten in den Hörsaal 3009 der Uni Bremen gelockt. Kurnaz berichtete von seinen schrecklichen Erfahrungen als Gefangener in Kandahar und Guantánamo. Auch sein Anwalt, Bernhard Docke, war anwesend, skizzierte die Schwierigkeiten des Falles. Noch einmal listete Docke die Versäumnisse der deutschen Regierung auf, die sich 2002, als die Amerikaner Kurnaz freilassen wollten, weigerte, ihn aufzunehmen. So musste er vier Jahre länger in einem Folterlager verbringen, in dem die Gefangenen ohne irgendeinen Beweis von Schuld, d. h. ohne fairen Prozess oder richterliches Urteil bis heute gehalten werden.
Murat Kurnaz hat die Folterungen und Strapazen überstanden und versucht, ein normales Leben zu leben. Er verspürt auch keinen Hass auf "die Amerikaner", denn viele haben sich für ihn eingesetzt. Er ist jedoch weiterhin empört über das Verhalten von Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier, der seine frühzeitige Rückkehr verhinderte. Bis heute hat Murat Kurnaz keine Entschuldigung erhalten, von einer finanziellen Entschädigung seitens der Bundesregierung oder der US-Regierung ganz zu schweigen.
Unser Engagement gegen das US-Militärgefängnis in Guantánamo

Bereits 2002 hat das internationale Sekretariat von ai in einer ausführlichen Studie die menschenrechtswidrige Existenz des US-Militärgefängnisses in Guantánamo kritisiert. Für die Gefangenen forderte ai ein faires Gerichtsverfahren nach rechtstaatlichen Prinzipien oder deren Freilassung.
Unser Engagement in Bremen begann, als wir von der Gefangenschaft von Murat Kurnaz in Guantánamo erfuhren. Mit großer Erleichterung erhielten wir im August 2006 die lange erwartete Nachricht, dass Murat Kurnaz nach über vier Jahren menschenrechtswidriger Haft in Guantánamo endlich nach Bremen entlassen worden ist.
Seit Ende Februar 2006 machten wir jeden Samstag mit einer Mahnwache auf dem Marktplatz vor dem Dom in Bremen auf den Fall aufmerksam. Unsere Forderung: Freilassung von Murat Kurnaz, Schließung von Guantánamo, keine Folter und ein faires Verfahren für alle Inhaftierten. In großer Zahl haben Passanten eine entsprechende Petition unterschrieben. Die Unterschriftslisten wurden regelmäßig an den US-Botschafter S. E. William R. Timken in Berlin gefaxt.
Murat Kurnaz ist frei. Das Gefängnis in Guantánamo existiert aber immer noch und hält mehr als 400 Gefangene ohne ein faires Gerichtsverfahren fest.
ai protestiert weiterhin gegen die völkerrechtswidrige Existenz dieses Gefängnisses und der anderer geheimen Gefängnisse der US-Militärs.
Weitere Informationen über Guantánamo
Auf den Seiten von amnesty international Deutschland finden Sie den Film "Outlawed" (Quicktime oder RealMediaPlayer) an, den die amerikanischen Nichtregierungsorganisation "Witness" mit amnesty international und 13 weiteren Partnerorganisationen produziert hat: www.amnesty.de.